Vom 21. bis 23. September stand bei der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik alles im Zeichen von künstlicher Intelligenz und unbemannten Systemen. Unser Geschäftsführer Harald Rossol brachte eine klare Botschaft mit: Die Architektur für militärische BVLOS-Drohnenschwärme gibt es bereits – und zwar im zivilen Betrieb.
Unbemannte Systeme verändern die Sicherheits- und Verteidigungslandschaft in rasantem Tempo. Besonders der Einsatz von Drohnen jenseits der Sichtweite des Piloten (BVLOS, Beyond Visual Line of Sight) und das koordinierte Fliegen im Schwarm stellen hohe Anforderungen an Luftraummanagement, Datenintegration und Lagebild. Genau hier setzte der Beitrag „U-Space Architekturen für militärische BVLOS-Schwärme” an – zunächst als Kurzvortrag im Plenum, anschließend in vier Durchläufen an der Poster-Station.
Vier Thesen für skalierbare Schwarmoperationen
Die Diskussion um KI in unbemannten Systemen dreht sich häufig um Algorithmen und Machine-Learning-Modelle. Harald Rossol lenkte den Blick bewusst auf die Ebene darunter und stellte vier Thesen zur Diskussion:
Die Skalierung scheitert selten am Modell. KI-gestützte Schwarmoperationen stoßen beim Hochskalieren meist nicht an die Grenzen des ML-Modells, sondern an die des Luftraum- und Daten-Layers, auf dem sie aufsetzen.
Zivile Bausteine sind weitgehend dual-use-fähig. Viele Komponenten aus U-Space und BVLOS-Betrieb lassen sich auch militärisch nutzen. Entscheidend ist, genau zu wissen, an welchen Stellen man bewusst abweichen muss.
Meaningful Human Control ist eine Frage der Schnittstellen. Wenn ein Mensch nicht eine, sondern sehr viele Plattformen gleichzeitig verantwortet, hängt wirksame menschliche Kontrolle vor allem von guten Schnittstellen und einem verlässlichen Lagebild ab – weniger von der Doktrin.
Standardisierung heute bestimmt die Kosten von morgen. Frühe Entscheidungen über Standards legen fest, wie interoperabel Systeme später sind und welche Lebenszykluskosten sie verursachen.
Keine Zukunftsvision, sondern gelebte Praxis
Die zweite These war bei der Einreichung im Frühjahr bewusst vorsichtig formuliert. Nach zehn Jahren Betriebserfahrung geht die Einschätzung heute weiter: Was für militärische Schwarmoperationen gebraucht wird, muss nicht neu erfunden werden. Die Architektur existiert bereits zivil und ist im Betrieb.
Die Grundlage bildet das Hatten-UAS German Flight Center am Flugplatz Oldenburg-Hatten, das von b.r.m. betrieben wird. Seit 2016 werden dort BVLOS-Flüge erprobt; EUROCONTROL führt das Gelände als Test- und Erprobungsgelände – neben dem DLR. Für unbemannte Flugsysteme steht ein Luftraum von rund 3.600 Quadratkilometern zur Verfügung, der sich vom Flugplatz bis hinaus in die Deutsche Bucht erstreckt.
Ein weiterer Baustein ist die UAS-Leitstelle Bremen, die als angehender U-Space Service Provider derzeit im Testbetrieb läuft. Sie stellt U-Space-Dienste nach der EU-Durchführungsverordnung 2021/664 bereit, dem europäischen Rechtsrahmen für die sichere Integration von Drohnen in den Luftraum. Damit ist die Infrastruktur nicht nur technisch, sondern auch regulatorisch anschlussfähig.
Hellfeld und Dunkelfeld im digitalen Zwilling
Besonderes Interesse weckte das Konzept des gemeinsamen Lagebilds. Durch Daten- und Sensorfusion in einem digitalen Zwilling werden sowohl das Hellfeld als auch das Dunkelfeld sichtbar: nicht nur kooperative Luftfahrzeuge, die ihre Position aktiv übermitteln, sondern auch nicht-kooperative Objekte, die sich allein über Sensorik erfassen lassen.
Der Punkt dahinter ist einfach: Erst wer weiß, wer legal fliegt, kann sagen, wer es nicht tut. Das Dunkelfeld ist dabei keine Neuentwicklung, sondern eine Anschlussfrage – vorhandene Sensorik lässt sich über Sensorfusion in den digitalen Zwilling holen und gegen das Hellfeld abgleichen.
Was militärisch noch fehlt
Zwei Punkte unterscheiden die zivile Architektur vom militärischen Einsatz.
Erstens gehärtete Sensorik und Hardware. Hier liegt die Kompetenz bei spezialisierten Herstellern – die Aufgabe einer offenen Architektur besteht darin, dass jede gehärtete Sensorik andocken kann, ohne dass das System neu gebaut werden muss.
Zweitens eine Zulassungslogik für adaptive Software. Zivile Zertifizierung friert die Konfiguration ein: geprüft, freigegeben, unverändert. Militärisch werden Software-Updates im Feld gebraucht. Der digitale Zwilling trägt diesen Nachweis mit – derselbe Code läuft erst simuliert, dann im Schattenbetrieb gegen reale Telemetrie, dann an Bord. Nicht neu geschrieben, sondern an einem anderen Ort ausgeführt.
One Airspace. One Picture. All Answers.
Harald Rossol fasste seinen Beitrag in einem Leitsatz zusammen: One Airspace. One Picture. All Answers. Ein gemeinsamer Luftraum, ein einheitliches Lagebild – und damit die Antworten, die Betreiber, Behörden und Streitkräfte gleichermaßen brauchen.
Die DWT-Tagung hat gezeigt, wie groß das Interesse an praxiserprobten Lösungen ist. Wir freuen uns über die vielen Gespräche vor Ort und darauf, den Austausch mit Partnern aus Bundeswehr, Industrie und Forschung fortzusetzen – zum Beispiel bei unseren Drone Days.
Über b.r.m. IT & Aerospace
b.r.m. IT & Aerospace bietet Beratung und Dienstleistungen rund um BVLOS-Flüge, UAS-Integration und SORA. Das Unternehmen betreibt die UAS-Leitstelle Bremen sowie das Hatten-UAS German Flight Center und organisiert die Drone Days, um Innovation und Vernetzung in der Drohnenbranche voranzubringen.
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Harald Rossol
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